Gmar Chatima Tova ... oder warum wir uns selbst verzeihen müssen!

Gmar Chatima Tova!

Heute ist Jom Kippur - der höchste jüdische Feiertag.

Jom Kippur beendet die 10 Tage der Umkehr nach dem jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana. Diese 10 Tage sind der Umkehr, Innigkeit und Besinnung gewidmet; aber auch der Vergebung und Versöhnung. Sie enden mit Jom Kippur dem Versöhnungstag; An Jom Kippur erfolgt die Besiegelung des Eintrags ins Buch des Lebens. Man wünscht sich "Gmar Chatima Tova!" - was soviel heißt wie "Möge deine Einschreibung ins Buch des Lebens gut abgeschlossen werden!". 

 

Warum ist Vergebung so wichtig?

Vergangenes loszulassen verschafft uns eine neue Freiheit. Vergebung hat etwas Heilsames. Wir wenden uns ab von Anhaftungen an Kränkungen, die uns zugefügt wurden, oder Unrecht, das man uns angetan hat. 

In dem wir uns von unserer Opferrolle befreien, können wir aktiv und selbstbestimmt aus unserer Unversöhnlichkeit ausbrechen und Bitterkeit hinter uns lassen. Anderen zu vergeben oder sich mit "Feinden" zu versöhnen ist mitunter nicht immer leicht.

 

Die schwierigste (Yoga-)Übung ist es aber, sich selbst zu vergeben.

Jeder kennt es: Wir haben einen Fehler gemacht. Einen kleinen, einen großen, vielleicht sogar einen "irreparablen"; wir haben jemanden gekränkt; jemanden verletzt; etwas Grundlegend verhaut!

Wir wünschen uns Vergebung vom anderen; Absolution. Wir wollen, dass man uns verzeiht.

All das ist aber nicht viel wert, wenn wir uns nicht selbst verzeihen können.

Wenn wir uns ständig selbst verurteilen, untergraben wir nicht nur unser Selbstwertgefühl, wir nehmen uns auch jegliche Chance auf Wachstum. Fehler, die wir uns nicht verzeihen, können wir auch nicht nachhaltig verdrängen. Sie schleichen sich immer wieder in unser Bewusstsein ein und erinnern uns schmerzhaft an unser Versagen. Im schlimmsten Fall bestrafen wir uns sogar dafür. 

Alles in allem sehr ungesund. 

Die Traditionell Chinesische Medizin sagt sogar, dass Verzeihen, die Tore des Körpers öffnet, sodass die vom Körper selbst produzierten Gifte austreten können. 

Sich selbst zu verzeihen ist also unglaublich heilsam und wichtig.

 

Wie kann dir Yoga dabei helfen?

Um uns verzeihen zu können, müssen wir zuerst einmal unsere Eigenwahrnehmung schärfen; hinspüren und hineinspüren - was wollen wir uns vergeben? was ist überhaupt passiert? was werfen wir uns vor? was löst diese Gefühle aus?

Dann geht es darum, dass wir das Geschehene akzeptieren. Uns akzeptieren. So wie wir sind.  

Wir sind nicht perfekt, aber wir sind perfekt so wie wir sind!

Soll heißen: Wir sind trotzdem wertvoll, mit all unsren Fehlern. 

Erst wenn wir uns verziehen und uns akzeptiert haben, wie wir jetzt gerade sind, können wir daran arbeiten, wie wir sein wollen.

Wie wir uns in Zukunft verhalten wollen, was wir künftig nicht mehr tun wollen, wo wir eine Veränderung brauchen. 

 

So ist es im Leben, und so ist es auf der Matte.

Beim Yoga schulen wir ganz natürlich unsere Eigenwahrnehmung. Unsere natürlichen Grenzen werden uns unweigerlich aufgezeigt. Wir müssen sie akzeptieren und wahrnehmen. Und aushalten. Herausfinden, was uns gut tut. Jetzt im Moment. Unsere Sehnen und Bänder, Muskeln und Knochen interessiert es nämlich nicht, wie "gut der Yogi neben uns auf der Matte die Pose hinbekommt".

Wichtig ist, was unser Körper braucht. Hier dürfen wir ganz egoistisch sein. Müssen wir sogar.

Erst wenn wir unsere eigenen Unzulänglichkeiten wahrnehmen und akzeptieren, können wir nach und nach über unsere Grenzen hinauswachsen..... Aber das ist eine andere Geschichte.....

 

 

 

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