PESSIMISUS ADÉ!

Jaja... Optimisten sind Träumer, Pessimisten vernünftig. Pessimisten sehen die Welt einfach realistisch und geben sich keinen falschen Vorstellungen hin. Genau! Sagen Sie das auch Jedem, der versucht, Sie zu einer etwas positiveren Weltsicht zu bewegen oder das Gute etwas bewusster wahrzunehmen? Die Welt ist nun mal wie sie ist und nicht positiver, werden Sie sagen. Und Sie haben recht! Sie ist nicht positiver, aber Sie vergeben auch jede Chance darauf, dass sich das ändern könnte. Der Grund dafür ist ebenso klar wie traurig. Pessimisten stellen sich mit verschränkten Armen neben eine Situation, so als ob sie nicht Teil der Sitatuation wären und warten ab... sie warten ab, bis das positive Ergebnis nicht eintritt. Und, wie Sie ja bereits prophezeit hatten... Sie hatten recht. Der Optimist hat sich geirrt. Herrlich!

Genau hierin liegt aber auch das Geheimnis, warum Pessimisten meistens recht behalten. Sie warten ab. Sie nehmen sich nicht als Teil der Situation wahr und sie wollen das, was alle wollen... recht behalten (auch wenn sich wohl die meisten Pessimisten tief im Herzen wünschten, sie wären im Unrecht). Und sie behalten meist recht. Dies wäre nicht weiter schlimm, würde sich diese Haltung nicht auf andere Menschen und damit die Welt auswirken. Wenn wir uns (scheinbar) aus einer Situation herausnehmen, machen wir alle Möglichkeiten zunichte, etwas Gutes zu (er)schaffen. Wir selbst sind es dann, in unserer pessimistischen Grundhaltung gefangen, die bewusst oder unbewusst jedes Verhalten vermeiden, das die Situation positiv beeinflussen würde. Sind davon soziale Situationen, also Freundschaften, Familie oder Beziehungen betroffen, schadet sich der Pessimist selbst und anderen. 

Es ist leider wahr. Fokussiert auf Fehler und Schwächen anderer, abwartend am Rand stehend, werden wir quasi immer erleben, dass der andere (von dieser passiven Haltung irritiert) anfängt sich merkwürdig zu verhalten - so haben wir schließlich den Beweis gefunden und können die Situation, die Freundschaft, die Beziehung beenden und uns vernünftig nennen. Leider haben wir dann die Chance verpasst durch eigenes Verhalten dafür zu sorgen, einen lebenslangen Freund oder gar die große Liebe gewonnen zu haben. Hätten wir den anderen durch eigenes Verhalten fröhlich gestimmt, hätte er sich vielleicht nicht merkwürdig verhalten, wer weiß? Wenn doch das Schlimmste, was passieren kann, nämlich dass eine Situation negativ endet, ohnehin das ist, was wir erwarten, sorgen wir damit dafür, dass dies höchstwahrscheinlich eintritt, weil wir so reden, weil wir in Passivität ausharren, bis es so kommt, wie Sie sagten... weil Sie es selbst kreiert haben.

 
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Ich will Sie an dieser Stelle nicht mit dem Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeihung quälen, aber bedenken wir, dass es einen entscheidenden Unterschied für unser Leben und das anderer macht, ob wir abwarten, was passiert, oder aktiv dafür sorgen, dass es gut wird. Damit wird das Ergebnis zwar nicht prognostizierbar, wir wissen also nicht, ob es wirklich gut wird, aber wir haben alles Mögliche dafür gemacht. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Situation gut wird, wenn wir sie pessimistisch beäugen, uns auf das Negative konzentrieren und dem Macht geben, ist gleich Null. Damit wissen wir zwar, was passieren wird, aber es wird nicht gut sein. So oder so. Ist es uns wirklich so wichtig unser, vielleicht einfach von anderen übernommenes, Weltbild zu verteidigen, statt uns zu erlauben glücklich zu sein? Ist es wirklich unvernünftig, alles dafür zu tun, dafür zu sorgen, dass in unserem Leben Positives geschieht?

Das Pauschalargument vieler Pessimisten ist, dass auch im Leben von Optimisten vieles schief geht. Das ist wahr. Aber bedenken Sie... hinsichtlich sozialer Situationen ist der Optimist auf verlorenem Posten, wenn er sich mit einem Pessimisten einlässt. Die Situation, die Freundschaft, die Beziehung wird für beide negativ enden. Optimismus schafft Möglichkeiten allein durch Vorstellungskraft. Wenn etwa in Beziehungen beide an diese Möglichkeiten glauben, werden sie gemeinsam alles dafür tun, dass sie sich erfüllen - dann wird es gut. Wenn auch nur einer diesen Glauben nicht teilt und die Beziehung mit Zweifeln versucht in "vernünftige" Bahnen zu lenken, wird er jede Möglichkeit für ein gutes Ende zerstören. Glaube kann also wirklich die Welt verändern. Dafür braucht es natürlich Mut und Energie. Wenn wir keine Lust haben, etwas zu tun, ist der Pessimismus ein gemütliches Zuhause.

Pessimismus aber hat nur einen Vorteil: sie behalten recht (weil sie dafür sorgen). Pessismus hat aber eine ganze Reihe von Nachteilen (auch für Sie). Sie berauben sich der Möglichkeit ein glückliches Leben zu führen, in dem sie alles unterlassen, was das möglich machen würde. Sie berauben andere der Möglichkeit ein glückliches Leben mit ihnen zu führen. Sie glauben vielleicht nicht daran, aber was ihre Geisteshaltung betrifft sind Sie tatsächlich Ihres Glückes Schmied. Was soll schon passieren? Geht die Situation gut aus, um so besser. Geht sie nicht gut aus, obwohl Sie ihr Möglichstes dafür getan haben, war wenigstens der Weg zum Ziel schön und sie gehen als Freunde auseinander. Sie werden sich selbst und den anderen dafür lieben, dass Sie gemeinsam versucht haben, das Bestmögliche zu tun.

Mir geht es hier ganz und gar nicht um eine rosoarote Brille, die grausame Dinge schön erscheinen lässt. Mir geht es darum, Glück möglich zu machen. Im Grunde gibt es Optimisten ebensowenig wie Pessimisten. Etwas so oder so zu erwarten ist noch keine Haltung und schon gar keine Handlung. Entweder nämlich ist man Zyniker und beklagt die Dinge wie sie sind, oder aber man ist Idealist und versucht die Welt (oder eine Situation) so zu machen, wie sie die Beste ist, die man sich vorstellen kann. Dafür muss man anfangen, sich Vorstellungen zu machen, eine Vision entwickeln und diese einfach umsetzen - mit anderen gemeinsam. Es spielt also keine Rolle, wie die Dinge ihrer Meinung nach (jetzt) sind, sondern nur, wie sie sein könnten, wenn sie selbst dafür sorgten. Also, Schluss mit den Ausreden! Realisieren Sie das, was Sie sich wünschen endlich selbst... und sagen Sie dem Pessimismus: adé!

 

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AUTOR | Mag. Christian P. Letz ist Philosoph und Politikwissenschaftler und lebt als Creative Director, Designer, Schriftsteller, Keynote-Speaker, Fotograf und Filmemacher in Wien. Für Miss Yoga schreibt er regelmäßig Blogbeiträge als Gastautor. Kontakt: www.cplphotography.com

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