TU' WAS DU LIEBST!

Wir wollen andere beherrschen und sind noch nicht mal "Herr im eigenen Haus", meinte Sigmund Freud und mahnte vor der Überschätzung des Bewussten und der mangelnden Kenntnis des eigenen Unterbewussten. "Wider die Zurichtung des Menschen zu einem Element des Marktes" warnte Hanno Strasser in seinem 2001 erschienen Werk: Leben oder Überleben. "Sei alles außer gewöhnlich!" postulierten Förster & Kreuz in Ihrem damals revolutionären Business-Querdenker-Werk, Wirtschaftsbuch des Jahres 2007.

Die Themen Selbstbestimmung, gute Arbeit und Selbstverwirklichung sind nicht neu. Sie sind so alt wie die Menschheitsgeschichte. "Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten", meinte Aristoteles. "Jener glaubt zu wissen, weiß aber nichts." postulierte Sokrates, um schließlich Menschen auf den Straßen zu fragen, 'warum' sie das gerade tun, was sie tun. Schon damals bezogen sich die Antworten auf den Zweck (ich streiche die Wand - ich muss Geld verdienen), nur selten aber auf den Sinn (ich leben, um...). Das hat sich trotz allem Fortschritt nicht geändert.

 

ICH WÜRDE JA, WENN ICH KÖNNTE

Sitzen Sie gerade überarbeitet, völlig erschöpft oder zu Tode gelangweilt in Ihrem Büro, beobachten vielleicht einige Kollegen beim Wichtig-Tun, andere beim Chef-Sein und wieder andere, die fast verzweifelt, den Kopf in den Händen vor ihrem Bildschirm sitzen - seit Stunden, seit Tagen? Gut, dann scheint Ihnen vermutlich alles ganz "normal", umgeben von Menschen, die so wie Sie alle brav und ordentlich ihre Arbeit machen. Sie heften Papiere ab, machen Stempel auf andere Papiere, die sie dann einscannen, ausdrucken, heften und faxen... oder so ähnlich?

Aber: WARUM um alles in der Welt tun Sie DAS? Weil Sie Geld verdienen müssen, das wissen wir. Aber warum DAMIT? Weil Sie Ihre Firma lieben? Natürlich, Sie lieben Ihre Arbeit. Und selbst wenn... inwiefern nützt das Ihrer Firma wirklich, was Sie da tun? Und... was macht Ihre Firma eigentlich? Was ist das große Ziel? Was ist denn der Sinn des Ganzen? Ja, schon klar, das haben Sie sich noch nie gefragt und selbst wenn... was Sie alles würden, wenn Sie könnten, wie Sie wollten und nicht müssten, was Sie sollten. Also.. was bleibt Ihnen übrig? Richtig! Die gute Nachricht ist... es geht auch anders. Es geht auch sinnvoller... und das nützte letztlich Ihnen und der Welt weit mehr.

 

WIDER DIE ZURICHTUNG DES MENSCHEN ZU EINEM ELEMENT DES MARKTES

Wir leben in einem Dilemma. Zum einen sind wir Konsument des Marktes, angelegt auf kontinuierliche Bedürfnisbefriedigung. Das verlangt uns zwischen Dauerbewerbung in Printmedien, TV-Sendungen, U-Bahnen, Flughäfen und Litfaßsäulen jede Menge Orientierungsarbeit ab: Was soll ich mir kaufen? Welches Produkt ist das Beste? Welches ist das Billigste? Welches definiert am besten, wer ich eigentlich bin? Wer bin ich eigentlich und wenn ja, wie viele? Wir alle verschwenden einen Großteil unserer Energie auf die Auswahl von Konsumgütern.

Zum anderen sind wir selbst wesentlicher Teil der Herstellung, des Verkaufs oder der Bewerbung dieser Produkte. Wir stempeln Genehmigungen, stellen Gutachten aus, entwickeln Neues und so fort. Verstehen Sie uns nicht falsch. Das ist die innere Logik eines Wirtschaftssystem und als solches noch wertneutral. Aber... was stellen wir da eigentlich her? Wem nutzt das wirklich? Warum tun wir das? Wir alle können aus dem ewig bejammerten 'Hamsterrad" aussteigen, wenn wir uns fragen, 'warum' wir tun, was wir da tun. Eine gute Antwort wäre ein Sinn.

 
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VON DER TAGESROUTINE ZUR SINN-GESTALTUNG

Die großartige Kommunikationstrainierin und Autorin grandioser Management-Bücher Vera Birkenbihl hatte die Herausforderung zur Selbstverwirklichung im [ABCDE]-Modell auf den Punkt gebracht. Es gibt fünf Energiebereiche. Je mehr Energien wir in einem der ersten Energiebereiche vergeuden, desto weniger bleibt für die weiteren. [A] steht für autonome Abläufe - also Atmen, Kreislauf, Angstprogromme etc.. [B] steht für 'Bin ich ok?' - die ewige Frage nach dem eigenen Selbstwert, der eigenen Person. [C] steht für das Erleben der Zeit - entweder Cronos (das Getriebensein) oder Chairos (das im Hier und Jetzt sein). [D] steht für die Durchführung der täglichen Aufgaben, Pflichten und Routinen. [E] schließlich für die Erweiterung und Entwicklung. Nicht wenige haben genau dafür kaum Energien übrig.

Was ist zu tun? Ein guter Weg ist, sich dessen bewusst zu werden und seine Energien für die eigene Entwicklung und Sinngestaltung einzuteilen, sonst wird es nicht geschehen. Wir alle sind darauf angelegt, uns den Freiraum und die Energie zur Kreation sinnvoller Dinge und Leistungen im Überfluss zu schaffen - das nennen wir Kreativität.

 

ICH TUE SINNVOLLES, ALSO BIN ICH WERTVOLL

Sollen Sie jetzt kündigen? Als Künstler leben - mittellos und freischaffend? Nein, nicht wenn Sie das nicht wollen. Aber... stellen Sie sich vor, Sie hätten es schon geschafft. Ihr Leben machte wirklich Sinn. Sie arbeiten in einer Firma, die weiß, 'warum' sie tut, was sie tut, wem es nutzt und was das eigentlich soll. Sie stehen morgens inspiriert auf, um Ihren Anteil daran zu leisten, oder gar um selbst ein solche Überzeugung zu realisieren.

Es ist nämlich so... nicht wenige von uns sind immer wieder mit der Sinnfrage beschäftigt, drehen sich dabei aber im Kreis. Der Sinn ist nicht allein in uns zu finden, sondern nur in Anderen. Sinn ergibt sich erst dadurch, etwas zu tun, was man liebt, aber auch Nutzen hat für die Gemeinschaft. Fragen Sie sich also, wenn Sie nur ein Leben hätten (was so sein kann) - was wollen Sie für Andere tun? Was soll Ihr Beitrag sein auf der Welt? Wofür lieben Sie Ihre Freunde? Welches Problem auf der Welt wollen Sie zu lösen helfen? Was wäre ein sinnvolles Leben? Ist Ihnen zu abstrakt? Glauben Sie uns, das ist es nicht, wenn Sie es leben. Genau so entsteht Außergewöhnliches, genau so entsteht Sinn.

 

HÖR AUF ZU ARBEITEN - TU WAS DU LIEBST

Also... hören Sie auf zu arbeiten! Hören Sie also auf, Dienst nach Vorschrift zu machen, den einzigen Sinn Ihres Tätigseins in der Erwirtschaftung von Geld zu sehen. Dazu ist es nicht notwendig den ganzen Tag etwas Sinnloses zu tun. Tun Sie nur das, was Sie lieben! Versuchen Sie Dinge zu tun, die wirklich Sinn machen für Sie und Andere. Kreuz und Förster sagten in ihren inspirierenden Büchern: Versuchen Sie Selbstverwirklichung und Resonanz zu einen. Drei einfache Grundregeln ebnen den Weg:

 

1 | Vom Zynismus zum Idealismus

Hinterfragen Sie den Status Quo und lassen Sie Zynismus nicht länger zu - so bejammern Sie nur was ist, statt zu fragen, was sein soll

2 | Vom Tauschhandel zum Engagement

Schluss mit: ich tue etwas für dich, wenn du etwas für mich tust. Engagieren Sie sich lieber für das, woran Sie wirklich glauben

3 | Vom Komsumenten zum Bürger

Selbstbestimmung, statt Fremdbestimmung. Übernehmen Sie Verantwortung, seien Sie kreativ und ändern, was Ihnen nicht gefällt.

 

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AUTOR | Mag. Christian P. Letz ist Philosoph und Politikwissenschaftler und lebt als Creative Director, Designer, Schriftsteller, Keynote-Speaker, Fotograf und Filmemacher in Wien. Für Miss Yoga schreibt er regelmäßig Blogbeiträge als Gastautor. Kontakt: www.cplartproduction.com

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